Das Archiv - Aufgaben und Bedeutung (Zitat aus Eckhart G. Franz; Einführung in die Archivkunde) „Wohl keine andere Frage wird dem Archivar so oft gestellt wie diejenige, was ein Archiv eigentlich sei und welche Aufgaben dem Archivar obliege. Man ordnet die Archive ohne klare Abgrenzung dem Bereich der Bibliotheken und Museen zu, und der Archivar selbst gilt als spitzweghafter Sonderling, der in verstaubten Gewölben mit spinnwebüberzogenen Folianten und uralten Pergamenten hantiert, um vegessene Geschehnisse aus ferner Vergangenheit ans Tageslicht zu ziehen.“ Woher kommt das Wort „Archiv“ ? Es geht zurück auf das lateinische „archivum“ und von dort über das griechische „archeion“ nicht etwa zu „archaios“ = „alt“, sondern zum Stammwort „arché“ = die Behörde, die Amtsstelle. Nicht die Sicherung von altehrwürdigen historischen Dokumenten, sondern die Verwahrung von Behörden- und Verwaltungsschriftgut war die ursprüngliche Aufgabe der Archive. Stichworte dazu sind: Sicherung der Rechte des Einzelnen wie der Oeffentlichkeit (Grundbuch, Hypothekarprotokolle, Verträge etc.), Entlastung der Verwaltung von nicht mehr laufend benötigten Akten. Neben diesen Aufgaben im Verwaltungsbereich erfüllen die Archive heute aber vor allem Aufgaben im Dienst der Oeffentlichkeit,in der historischen Forschung im weitesten Sinne. Stichworte dazu: Familienforschung, historische Arbeiten, Jubiläumsschriften, Chroniken etc.. Die Archive im Dienste der Verwaltung "Die Archive sind die Friedhöfe der Verwaltung, sie sind Einbahnstrassen und Endstationen." Damit wird die Beziehung der Archive zur Verwaltung nur sehr unzureichend charakterisiert; sind sie doch eher beidseitig befahrbare Durchgangsstationen ähnlich. Aufgaben: - Entlastung der Verwaltung von nicht mehr laufend benötigten Akten. - Wahrung der Rechtssicherheit (Verträge, Protokolle etc.). - Dienstleistungsunternehmen für die Verwaltung (Unterlagen für laufende Geschäfte etc.). - Systematische Aufbewahrung und Erschliessung (Ablieferungsverzeichnisse, Registraturpläne). - Sicherstellung einer kontinuierlichen und ganz- heitlichen Ueberlieferung der Tätigkeit der Verwaltung. - "Gedächtnis der Verwaltung". - Schutz öffentlicher und privater Interessen (Datenschutz, Sperrfristen). Die Archive im Dienste der Oeffentlichkeit Die Archive sind heute auch zu zeitgemässen Dienst- leistungsbetrieben für die Oeffentlichkeit geworden. Nicht nur als Reservate für die Forschung, vielmehr auch für Einzelpersonen oder Gruppen stellen sie wichtige Anlaufstellen dar. Bis Ende des 18. Jahrhunderts waren sie fast ausschliesslich für die Verwaltung bestimmt, darum geheim. Erst nach der fran- zösischen Revolution wurden für die Aufbewahrung eines Dokumentes in Verwaltungsarchiven nicht nur sein rechtlicher oder administrativer Wert angeschaut, sondern allgemein seine historische, wissenschaftliche oder künstlerische Bedeutung. Aufgaben: - Bewahrung der "Quellen", der Zeugnisse (schriftliche, bildliche oder gegenständliche), aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann. - Unterstützung bzw. Ermöglichung der wissenschaftlichen Forschung. - Unterstützung individueller Interessen, zum Beispiel bei der Familienforschung, bei Vereins- oder Firmenchroniken (Datenschutz, Persönlichkeitsrecht !) - Anlegen von Sammlungen, die über die Verwaltungsbedürfnisse hinausgehen, zum Beispiel Fotosammlungen, Ton- oder Filmarchive, Zeitungsausschnitte. i